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„Mit uns ist noch zu rechnen“

Beim 89:66-Start-Ziel-Sieg der GIESSEN 46ers in Karlsruhe, bei dem Viktor Kovacevic sein Comeback feiert, überragt Simon Krajcovic.

Als „Frenki“ Ignjatovic in Bensheim den Mannschaftsbus in Richtung Süden bestieg, schmachtete Hanne Haller „Weil du ein zärtlicher Mann bist …“ durch die Lautsprecher. „Genau mein Sound“, fühlte sich der Cheftrainer der GIESSEN 46ers geschmeichelt von der Musikauswahl des Fahrers. 

Dass die längst verstorbene Schlagersängerin und Komponistin mit einer ihrer bekanntesten Singles Recht behalten sollte, war am Freitagnachmittag noch nicht absehbar. Am Ende des vielleicht stärksten Abends in dieser Saison in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA konnten die Profis des Altmeisters jedoch zumindest bestätigen, dass die Wortwahl ihres für gewöhnlich leidenschaftlichen Übungsleiters während und nach dem Match soft, smart, ja gemäßigt ausgefallen war. 

„Wir sind zurück im Kampf um die Playoff-Plätze“, kommentierte der 59-Jährige ebenso unaufgeregt wie befreiend jenen bärenstarken Auftritt seiner Profis beim 89:66 (44:30)-Erfolg bei den PS Karlsruhe LIONS, die zuvor in fünf Heimspielen ungeschlagen geblieben waren und dabei unisono Teams aus dem Weg geräumt, gegen die die Lahnstädter in dieser Saison den Kürzeren gezogen hatten. 

Auch seine Jungs hatten nach dem Start-Ziel-Sieg allerbeste Laune. Erst scherzten sie untereinander schon Minuten vor der Schlusssirene und winkten den trotz zuletzt zweier Niederlagen so zahlreich mitgereisten Fans ob deren Unterstützung in der Europahalle zu. Dann ließen sie sich die wie immer durch Teammanager Jan Heppner georderten Pizzas und Salate schmecken und blickten noch einmal auf jene 40 Minuten zurück, die drastisch vor Augen geführt hatten, „dass mit uns noch zu rechnen ist“, so Ignjatovic. 

Luis König Figge sprach von einem „Befreiungsschlag“ nach zuletzt zwei Niederlagen und dem Herausrutschen aus jenen Rängen, die die Runde verlängern. „Wir haben nicht nur verdient gewonnen, sondern wir haben auch aufgezeigt, dass wir nichts verlernt haben.“ In die gleiche Kerbe schlug Kapitän Robin Benzing, der sich darüber freute, dass „wir wieder da sind.“ Die 46ers hätten „solide verteidigt“ und „nichts Wildes gemacht. Mit einer solchen Souveränität, mit einer so leidenschaftlichen Defense und mit einer ebenso soliden Wurfausbeute gewinnst du in aller Regel deine Spiele.“ Und Neuzugang Viktor Kovacevic, der nach langen Tagen des Wartens ob einiger bürokratischer Hürden in Belgrad endlich in Gießen eingetroffen ist, lobte den „von Beginn an erstaunlich guten Team-Basketball mit viel Energie, die wir nun in die nächsten Wochen mitnehmen müssen.“ 

In der Tat hatten die Gäste das Gaspedal stets bis zum Bodenblech durchgedrückt und während des gesamten Matches quasi alle Vorteile auf ihrer Seite. Nie lagen die Mittelhessen zurück; schon nach vier Minuten und einer spektakulären Aktion des endlich überragenden Simon Krajcovic, der sich über den baumlangen Maurice Pluskota legte und zum 13:2 vollendete, hatten sie zwischen sich und den „Löwen“ eine satte Differenz gelegt. Als Robin Benzing in Dirk-Nowitzki-Manier per Fadeaway auf 25:10 (8.) stellte, Devon Goodmann halb Baden zum 27:12 (9.) düpierte und Daniel Norl per Dreier mutterseelenalleine auf 36:22 (14.) erhöhte, verstummte der Löwenkäfig. Und als Simon Krajcovic schon kurz nach der Pause seinen 20. Punkt einstreute (57:42, 24.), Viktor Kovacevic mit seinen ersten Zählern des Abends einen Patzer von Robin Benzing doch noch erfolgversprechend ausbügelte (69:44, 28.) und schließlich der fast 37-jährige MTV-Anführer höchstpersönlich im Fallen das 83:59 (35.) besorgte, war es längst um Karlsruhe geschehen.

Dass schließlich auch noch Nachwuchs-Center Kai Müsse seine ersten vier Auswärtsminuten von „Frenki“ Ignjatovic geschenkt bekam, setzte der Dominanz der GIESSEN 46ers, aber auch der mannschaftlichen Geschlossenheit, die Krone auf. Alle elf mitgereisten Profis (Roland Nyama fehlte wegen einer Schulterverletzung) bekamen Minuten, zehn von ihnen punkteten und sammelten Rebounds ein: So funktioniert Teamsport!

Bei aller Ausgeglichenheit: Der Mann des Abends war trotz allem Simon Krajcovic, der später – gewohnt zurückhaltend – zwar nur von einem „mental wichtigen Erfolg“ und „viel Selbstvertrauen trotz einiger Rückschläge“ sprach, der jedoch dem Match seinen Stempel aufgedrückt hatte. 24 Punkte bedeuteten für den Slowaken den Bestwert in zweieinhalb Jahren in Gießen. Schon nach dem ersten Viertel hatte der Regisseur 14 Punkte auf dem Scoreboard stehen, insgesamt beeindruckte er mit Auge, einer 80-prozentigen Trefferquote, sieben (von neun) versenkten Freiwürfen, fünf Rebounds, ebenso vielen Vorlagen und einer famosen Defensivleistung, die PS-Pointguard Isaiah Hart zur Wirkungslosigkeit verurteilte. Als Ignjatovic seinen Go-to-Guy zwei Minuten vor Schluss vom Feld nahm, streichelte ihm Robin Benzing anerkennend über die Glatze. Und Zimmerkollege Luis König Figge lobte: „Simon ist zurück, das freut mich extrem für ihn.“

Zurück sind aber auch die GIESSEN 46ers, die nach den personellen Rochaden der letzten Wochen den Anschein erweckten, endlich zur Ruhe zu kommen. Der Hallensprecher gratulierte Gießen zu einer „starken Vorstellung und einem verdienten Sieg.“ Robin Benzing gab der Hoffnung Ausdruck, dass „bei uns jetzt endlich der Knoten geplatzt ist und wir nach vorne, nicht mehr nach hinten schauen.“ Luis König Figge wusste: „Trotz einiger Rückschläge ist noch nichts Entscheidendes passiert.“ Und Branislav Ignjatovic wiederholte beim Besteigen des Mannschaftsbusses seine Aussage der letzten Wochen: „Jede Partie ist für uns wie eine Quali für die Playoffs.“ Setzte sich, schnappte sich seinen Cesar-Salat und genoss die kurze Rückfahrt bis zum Parkplatz in Bensheim in vollen Zügen. Auch ohne Hanne Hallers Schmalz …

Karlsruhe: Olenyi (2), Hart (10), Williams (3), Kuku (4), Oba (6), Pisic (6), Porter (7), Albus (1), Dawson, Pluskota (7), Ejah (14), Cohn (6).

Gießen: Norl (5), Warnholtz (5), Goodman (8), Castlin (10), Benzing (12), Maier (6), König Figge (6), Müsse, Gloger (6), Kovacevic (7), Krajcovic (24).

UND SONST NOCH …

  • Unsere Starter: Kyle Castlin, Robin Benzing, Jonathan Maier, Luis König Figge, Simon Krajcovic.
  • Unser ausdauerndster Profi: Simon Krajcovic (26:06 Minuten).
  • Unser stärkster Rebounder: Jonathan Maier (8).
  • Unser erfolgreichster Passgeber: Simon Krajcovic (5).
  • Unsere höchste Führung: 72:46 (29. Minute).
  • Unsere erfolgreichste Serie: 10:0 zum 69:44 (28. Minute).
  • Unsere emotionalen Beobachter: 2391 Zuschauer in der Karlsruher Europahalle, davon ca. 40 aus Gießen.
  • Unser nächster Auftritt: Freitag, 30. Januar (20 Uhr), gegen die Uni Baskets Münster.

Der Beitrag „Mit uns ist noch zu rechnen“ erschien zuerst auf GIESSEN 46ers.

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