Mit Kovacevic nach Karlsruhe
Vor dem Duell im Badischen ist nicht nur der serbische Powerforward, sondern auch dessen Spielberechtigung bei den 46ers eingetroffen.
Die guten Nachrichten zuerst: A) Viktor Kovacevic ist wieder da! Der Rückkehrer hat den drei Wochen dauernden Papierkrieg in Belgrad abgeschlossen und am Nikola-Tesla-Airport einen Flieger bestiegen. Am Dienstag ist der 26-Jährige endlich in Frankfurt gelandet. Inzwischen hat er zwei Trainingseinheiten mit seinem neuen/alten Team absolviert und sich „good in shape“ präsentiert. „Ich fühle mich sehr fit, ich habe jeden Tag trainiert und freue mich riesig, wieder ein Teil der Gießen 46ers zu sein“, ließ er die Fans kurz nach Auto- und Wohnungsübernahme, der Einkleidung, dem erfolgreich absolvierten Medizincheck und den ersten Ballberührungen wissen.
In der vergangenen Saison war der Powerforward die Stütze schlechthin des Playoff-Halbfinalisten in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA. Er absolvierte 42 Partien für den Altmeister, in denen er mit im Schnitt knapp elf Punkten und sechs Rebounds in gut 24 Minuten Einsatzzeit glänzte. Im Sommer heiratete er zunächst seine langjährige Freundin Milica, ehe er sich für ein Engagement beim slowakischen Europapokalteilnehmer BK Inter Bratislava entschloss. In der dortigen „Tipos-SBL“ absolvierte Kovacevic 13 Partien, in denen er in durchschnittlich knapp 22 Minuten auf acht Punkte und vier Rebounds kam. Darüber hinaus stand er in sieben Spielen in der „European North Basketball League“, einer 26 Teams umfassenden Liga aus Nord-, Mittel- und Osteuropa, auf dem Parkett. Dort brachte er es auf im Schnitt sechs Punkte und drei Rebounds in rund 19 Minuten.
„Mit ihm werden wir unsere zuletzt anfällige Defense mit Sicherheit stabilisieren“, weiß Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic, der sich sehr um die Rückkehr seines Landsmannes bemüht hatte, um die Fähigkeiten des 2,03 Meter-Mannes.
B) Seit Mittwoch liegt auch die Spielberechtigung des Serben, dessen Eltern im diplomatischen Dienst in New York arbeiten, vor. Einem Einsatz von Viktor Kovacevic an diesem Freitag bei den PS Karlsruhe LIONS (19.30 Uhr, Europahalle) steht also nichts im Wege.
C) Roland Nyama ist wieder im Training. Der gegen die SBB Baskets Wolmirstedt auf die Schulte gekrachte Deutsch-Kameruner, der in Koblenz und gegen die Artland Dragons pausieren musste, wird noch eine oder zwei Partien fehlen, sein Comeback rückt jedoch näher. Der 31-Jährige hat in den Einheiten Kontakte noch vermieden, bewegt den Ball aber schon wieder fast wie in alten Tagen.
Nun aber zu den schlechten Nachrichten, denn: D) Abu Kigab gehört nicht mehr zum Team. Der Kanadier mit sudanesischen Wurzeln hielt es nur fünf Wochen an der Lahn aus. Als bekannt wurde, dass Viktor Kovacevic zurückkommen wird, sank die Laune des 27-Jährigen. Er äußerte Abwanderungsgedanken und tauchte in dieser Woche nicht mehr im Training auf. Inzwischen haben die 46ers den Vertrag mit dem Powerforward in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. „Reisende soll man nicht aufhalten“, möchte sich Branislav Ignjatovic nicht weiter mit dem Thema beschäftigen und lieber nach vorne blicken.
Womit wir bei E) und der Heimstärke des kommenden Gegners aus dem Badischen wären. Denn das Löwenrudel hat seine letzten fünf Partien vor eigenem Publikum gegen die Tigers Tübingen (92:82), die HAKRO Merlins Crailsheim (95:85), die RheinStars Köln (89:74), die Artland Dragons (82:80) und die EPG Baskets Koblenz (78:71) alle zu seinen Gunsten entscheiden können. Für Liebhaber von Statistiken: Es waren unisono Gegner, gegen die die GIESSEN 46ers in dieser Saison verloren haben, gegen Quakenbrück sogar gleich zweimal.
„Diesem Trend wollen wir entgegnen. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis, egal wo und gegen wen. Die Mannschaft hat nicht nur gut trainiert, ich spüre durch die Rückkehr von Viktor Kovacevic auch eine Art Aufbruchstimmung“, verrät „Frenki“ Ignjatovic, der die Schlüssel des Erfolges kennt und sie seinen Jungs auch ausgehändigt hat. „Sie müssen nur noch durch die Tür durchgehen.“
Wichtig in Karlsruhe: Eine stabile Defense, ein mutiger und endlich mehr Selbstvertrauen verratender Go-to-Guy Simon Krajcovic sowie eine vernünftige Dreierquote. Zwei von 22, also neun Prozent wie zuletzt gegen Quakenbrück, „sind keine Zahlen“, so Ignjatovic, „mit denen du irgendeine Mannschaft in welcher Liga auch immer bezwingen kannst.“
Der 59-Jährige hat seinen Worten nach der Pressekonferenz gegen die Artland Dragons inzwischen im stillen Kämmerlein auch Taten folgen lassen und Statistiken aus seinen letzten 30 Trainerjahren gewälzt. „Es stimmt wirklich: Noch nie habe ich als Coach an der Seitenlinie gestanden und ein Team mit einer solch katastrophalen Dreierquote betreut.“
Dass in der drittgrößten Stadt von Baden-Württemberg eine Änderung, nein eine deutliche Besserung erfolgen muss, ist allen klar, denn mit den PS Karlsruhe LIONS wartet nicht nur eines der heißesten Teams der letzten Wochen auf den Altmeister, sondern vor allem eine Mannschaft, die ihr Gesicht im Vergleich zur 74:94-Niederlage Mitte Oktober in der Osthalle deutlich verändert hat.
Mit dem Ex-Düsseldorfer Isaiah Hart führt inzwischen ein neuer Pointguard Regie, mit Mikal Dawson wartet nun ein Rookie aus Texas auf seine Zuspiele, der zuletzt seine Brötchen an der Marshall University in Huntington/West Virginia verdiente. Und auch US-Forward Brandon Porter, der aus Mexiko kam, gehörte im Hinspiel noch nicht dem Löwen-Roster an.
Dreh- und Angelpunkt in Karlsruhe ist allerdings der ehemalige Gießener Maurice Pluskota, dem „Frenki“ Ignjatovic „bestechende Form“ attestiert. Der 33-Jährige, der von 2015 bis 2017 das 46ers-Leibchen trug, ist längst in Karlsruhe heimisch geworden. Ein Abstecher nach Koblenz funktionierte nicht, inzwischen bestreitet der Big Man seine achte Saison für die LIONS. Mit im Schnitt 14 Punkten und acht Rebounds gehört der gebürtige Bremerhavener zu den besten Brettspielern der ProA, was er mit bisher vier Double Double, also zweistelligen Werten in den Kategorien Punkte und Rebounds, unter anderem beim Hinspiel in der Osthalle unter Beweis stellen konnte.
„In Karlsruhe und danach gegen Münster wird sich zeigen, in welche Richtung sich unsere Runde noch entwickeln wird“, wartet „Frenki“ Ignjatovic mit seinem Team, das mit neun Siegen bei neun Niederlagen auch auf Nicht-Playoff-Rang neun des Tableaus steht, auf das Lösen des gordischen Knotens. Gute Nachrichten im Vorfeld hat es genug gegeben …
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