Tragischer Held Abu Kigab
Beim 91:92 zum ProA-Vorrundenabschluss in Koblenz verstolpert der 46ers-Neuzugang sechs Sekunden vor Schluss einen Tempogegenstoß.
Eigentlich lag das Momentum auf Seiten der GIESSEN 46ers. Aber halt nur eigentlich! Mit elf Punkten lagen sie knapp 200 Sekunden vor dem Ende bei den EPG Baskets Koblenz zurück, als die Partie zu kippen schien. Erst zeigte sich Robin Benzing an der Freiwurflinie nervenstark (81:90). Dann verkürzte Luis König Figge (83:90), ehe Kyle Castlin per erfolgreichem Dreier 1:14 Minuten vor dem Halali endgültig in den Köpfen der Hausherren angekommen war (86:90). Als der US-Boy dann auch noch nach einem Steal seines immer stärker werdenden Landsmannes Devon Goodman 41 Sekunden vor der Schlusssirene auf 89:90 stellte, wurde es still in der Halle.
Doch jenen Eimer, den sie sich händisch mit Wasser aufgefüllt hatten, stießen sie mit ihrem eigenen Allerwertesten wieder um. Allen voran Abu Kigab, der tragische Held des Abends. Sechs Sekunden waren noch zu spielen, als EPG-Profi Tim Smith nach eigenem Koblenzer Einwurf der Grip an den Turnschlappen fehlte. Der kanadische 46ers-Neuzugang, der ihn effektiv attackiert hatte, setzte sofort zum vermeintlich siegbringenden Tempogegenstoß an, rammte sich im Eifer des Gefechts aber das Spielgerät gegen Brust und Schienbein und stolperte mit dem Ball ins Aus, statt ihn smart in den Korb zu legen.
Die aufmunternden Worte von Robin Benzing und Luis König Figge in Richtung des Neuzuganges halfen nichts mehr. Tim Smith blieb hernach von der Freiwurflinie sicher und besorgte das 92:89. Da Robin Benzing und Devon Goodman mit ihren wilden Not-Dreiern erfolglos blieben, legte Kyle Castlin den Abpraller 0,6 Sekunden vor Schluss zum aus Gießener Sicht tragischen 91:92 (51:54) in die Reuse. Zu spät, um zum Ende der Vorrunde in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA doch noch Zählbares vom Deutschen Eck mit nach Hause nehmen zu können.
„Wenn Abu Kigab den Ball kontrolliert, verlieren wir das Spiel“, fasste Hausherren-Übungsleiter Stephan Dohrn einen Abend treffend zusammen, an dem der Altmeister lange mit- und das Match offengehalten hatte, an dem jedoch abermals die Erkenntnis stand, dass Wurfquoten und Defensivleistung nicht stimmten, um gerade in der Fremde etwas ernten zu können. „92 Gegenpunkte sind viel zu viele“, analysierte Kapitän Robin Benzing die Geschehnisse in der drittgrößten Stadt von Rheinland-Pfalz. „Sobald es knapp wird, agieren wir viel zu hektisch und treffen die falschen Entscheidungen.“ Was bei der routiniertesten Truppe der gesamten Liga nach der Hälfte der Saison noch immer verwundert. Was sich aber in Statistiken leicht aufzeigen lässt.
Beispiel Würfe von jenseits der 6,75-Meter-Linie: Null Treffer bei 15 Versuchen der Leistungsträger Daniel Norl, Robin Benzing, Abu Kigab und Simon Krajcovic erschreckten nicht nur Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic, der später von einer „katastrophalen Quote“ sprach. Beispiel Freiwürfe: Acht ließen die Gäste von der Lahn liegen, die Hausherren indes nur drei, was bei einer Ein-Punkt-Niederlage schmerzte. Beispiel Foulmanagement: „Es gab Phasen, da haben wir es minutenlang nicht hinbekommen, Koblenzer Läufe zu stoppen. Und wenn wir ein Foul aufgebrummt bekommen haben, dann war es ein offensives“, haderte Ignjatovic, der in diesem Bereich Gesprächsbedarf für die nächsten Wochen sieht. „So jedenfalls wird es eng für die Playoffs.“
Am Ende mussten die Gäste konstatieren, wie schon bei den äußerst unglücklichen Niederlagen in Tübingen (82:84) und bei den Artland Dragons (100:107) Großchancen, die Partie auf ihre Seite zu ziehen, fast fahrlässig hatten liegengelassen. „Wir sind zurückgekommen und hatten die Möglichkeit, das Match zu unseren Gunsten zu entscheiden. Am Ende aber dann doch so knapp zu verlieren, tut sehr weh“, konnte Luis König Figge auch eine halbe Stunde nach Spielende noch kaum fassen, was geschehen war.
Abu Kigab hatte sich die Kapuze über den Kopf gezogen und stapfte missmutig zum Bus: „Shit!“ Und „Frenki“ Ignjatovic war beim Handy-Studium der letzten Sequenzen von Koblenz der Appetit auf Nudeln mit Hühnchen, die Team-Manager Jan Heppner für alle organisiert hatte, völlig vergangen: „Viel dümmer kann man nun wirklich nicht verlieren!“
Dass sage und schreibe 180 auf eigene Faust mitgereiste Fans in Koblenz Heimspielstimmung aufkommen ließen, beeindruckte den 59-Jährigen („Unfassbar, was die Woche für Woche auf sich nehmen“), verbesserte seine Laune aber nicht merkbar. Denn über weite Strecken der Partie hatte ihn der Auftritt seiner Jungs nicht überzeugt.
Auch wenn Abu Kigab per And-One selbstbewusst auf 22:23 (10.) gestellt hatte. Auch wenn Devon Goodman wie bei seinem Steal und anschließendem Tempogegenstoß das 30:30 (12.) besorgen konnte. Auch wenn Center Jonathan Maier einen 8:0-Lauf krachend zum 34:30 abschloss (14.). Auch wenn Luis König Figge die Uhr auf dem Schirm hatte und sechs Sekunden vor der Halbzeit einen Dreier zum 51:54 einschweben ließ. Auch wenn Robin Benzing wieder einmal ein Auge für die Mitspieler bewies und Devon Goodman beim 64:62 (25.) glänzend in Szene setzte. Auch wenn Till Gloger sich spektakulär über Marko Bacak zum 77:84 (34.) nach oben schraubte: „Wer in dieser starken 2. Bundesliga zwischendurch kurzfristig mal den Faden verliert, wird bestraft“, so Robin Benzing.
So wie die GIESSEN 46ers am Sonntag bei den EPG Baskets Koblenz, bei denen das Momentum in der Schlussphase eigentlich auf Seiten der Gäste lag …
Koblenz: Jeffries (9), Buck (5), Wishart (24), Kovacevic (8), Smith (16), Girgin (n.e.), Niedermanner (5), Hicks (5), McCall (10), Bacak (6), Gaspers (n.e.), Möller (4).
Gießen: Norl, Warnholtz (7), Goodman (14), Castlin (18), Benzing (9), Maier (9), König Figge (13), Müsse (n.e.), Gloger (8), Kigab (5), Krajcovic (8).
UND SONST NOCH …
- Unsere Starter: Kyle Castlin, Robin Benzing, Jonathan Maier, Luis König Figge, Simon Krajcovic.
- Unser ausdauerndster Profi: Kyle Castlin (31:37 Minuten).
- Unser stärkster Rebounder: Kyle Castlin (9).
- Unser erfolgreichster Passgeber: Robin Benzing (5).
- Unsere höchste Führung: 34:30 (14. Minute).
- Unsere erfolgreichste Serie: 10:0 zum 89:90 (39. Minute).
- Unsere emotionalen Beobachter: 1690 Zuschauer in der EPG-Arena, davon 180 (!) aus Gießen.
- Unser nächster Auftritt: Donnerstag, 15. Januar (20 Uhr), gegen die Artland Dragons.
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