„Solche Äußerungen heiße ich nicht gut“
46ers-Gesellschafterin Christiane Roth über die teilweise unter die Gürtellinie gehende Kritik an Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic.
Ein 100:107 bei den Artland Dragons, ein 61:83 gegen die BG Göttingen und „nur“ sieben Siege aus den ersten 14 Partien: Über „Frenki“ Ignjatovic, den Cheftrainer der GIESSEN 46ers, brach kurz vor Weihnachten ein Shitstorm herein. Der online, wo jeder alles äußern kann, ohne seine Identität preisgeben zu müssen, bisweilen unter die Gürtellinie ging. Das stieß Energie-Unternehmerin Christiane Roth, zusammen mit Neusehland-Geschäftsführer Bernd Vitu und Volksbank-Vorstand Lars Witteck Gesellschafter des Basketball-Zweitligisten, übel auf.
Frau Roth, Sie haben sicher die Kommentare gegen unseren Trainer in den sozialen Netzwerken verfolgt …
Nicht alles, aber einiges habe ich gelesen oder zugetragen bekommen. Aus eigener leidvoller Erfahrung weiß ich, wie verletzend so etwas sein kann. Und ich weiß auch, wie diese teilweise äußerst unsachlichen Äußerungen „Frenki“ Ignjatovic zugesetzt haben. Das hat mir sehr weh und leid getan. Ich kann nur sagen, dass ich solche Äußerungen nicht gutheiße.
Einige haben sogar die Entlassung des 46ers-Cheftrainers gefordert. Was sagen Sie dazu?
„Frenki“ Ignjatovic hat einen Vertrag bis Sommer 2027, den wir auch zu erfüllen gedenken. Er hat bei uns in Gießen jahrelang gute Arbeit geleistet. Nach dem Abstieg aus der BBL haben wir uns an seinem Job aufrichten können, haben seine Arbeit geschätzt und uns gefreut, dass er uns sportlich so schnell wieder in ruhiges Fahrwasser geführt hat. Das dürfen die Kritiker nicht vergessen.
Was schätzen Sie am Cheftrainer?
Ich weiß, wie kaum ein anderer in unserem Club, was er leistet. Für ihn gibt es an sieben Tagen die Woche nur Basketball und vor allem nur die GIESSEN 46ers. Von früh morgens bis teilweise spät in die Nacht bereitet er Spiele vor und nach, schaut Videos, führt Telefonate und Einzelgespräche, analysiert die Gegner und leitet zusammen mit seinem Assistenzen Nikola Stanic die Einheiten in der Osthalle und in den Rivers. Und vor allem: Er stellt alles Private hinten an! Einen solchen, im positiven Sinne Basketball-verrückten Menschen wie ihn, der obendrein auch noch international bestens vernetzt ist, finden wir so schnell nicht wieder.
„Frenki“ Ignjatovic gilt in der Basketball-Szene als Ikone …
Deshalb haben wir ihm im Sommer 2022 auch verpflichtet. Viele Profis wie Robin Benzing oder Jonathan Maier sind einzig und allein nach Gießen gekommen, weil sie mit unserem Cheftrainer zusammenarbeiten wollten. Er genießt in der Szene einen guten Ruf und bei seinen Kollegen Wertschätzung. Davon profitieren auch wir in einem nicht zu unterschätzenden Maß. Bisher endeten seine stets langfristigen Engagements in Kirchheim und Heidelberg immer mit dem Bundesliga-Aufstieg. Den streben wir mit ihm auch an.
Konnten die 46ers mit dem Sieg in Nürnberg eine Trendwende einleiten?
Davon gehe ich aus. Der Sieg war nicht nur wichtig in Richtung der Playoff-Teilnahme, er hat vor allem gezeigt, dass die Mannschaft mehr kann als das, was sie bisher gezeigt hat. Die Jungs haben Potenzial und vor allem die Unterstützung von mir und meinen beiden Gesellschafter-Kollegen. Ich bin mir sicher, dass für uns die Playoffs erreichbar sind und dass mit uns in dieser Saison noch zu rechnen ist.
Die GIESSEN 46ers stehen momentan auf Rang sieben. Sind Sie mit diesem Abschneiden zufrieden?
Nach vielen Hochs ist es im Profisport auch immer mal möglich, ein Tief, ich würde eher sagen, eine Durststrecke, zu erleben. Wenn ein Club erfolgreich sein will, dann muss er eine solche Durststrecke gemeinsam bewältigen und keine voreiligen Schritte unternehmen. Wenn ich teilweise die Bedingungen sehe, unter denen „Frenki“ Ignjatovic mit seinen Jungs arbeiten muss, dann kann ich nur sagen: Hut ab!
Sie meinen die Temperaturen in der Rivers-Sporthalle?
Ja, die meine ich. Wer wochenlang irgendwo zwischen elf und 14 Grad trainieren muss, dem gebührt meine Hochachtung. Inzwischen ist die Heizung repariert. Aber bis dahin habe ich mich jeden Tag gewundert, wie unser Trainer seine Jungs da eigentlich bei Laune halten konnte.
Sie und Ihre beiden Gesellschafter-Kollegen haben im Sommer den Aufstieg in die BBL als Ziel ausgegeben. Hat das Team und Trainer vielleicht zu sehr unter Druck gesetzt?
Gegenfrage: Sollen wir uns an einem Traditionsstandort wie Gießen auf Dauer damit zufriedengeben, in der ProA eine gute Rolle zu spielen? Kann das unser Anspruch sein? Meiner Meinung nach ist es wichtig, Ziele zu haben. Und sie auch zu formulieren.
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