Respekt vor Wolmirstedt
Mit dem Aufsteiger gastiert am Samstag (19 Uhr) eine Mannschaft bei den GIESSEN 46ers, die inzwischen in der ProA angekommen ist.
Es sind Weihnachtsferien in Deutschland. Die mögen die Profis der GIESSEN 46ers. Sie haben zwar ein strammes Programm in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA mit vier Spielen in 15 Tagen und deshalb kaum Zeit für Besinnlichkeit, sie können aber ihre Heimspielstätte, die Osthalle, durchgängig nutzen. Vernünftige Umkleidekabine, funktionierender Wurfautomat, ein Parkett, das nicht den Ball schluckt – und vor allem behagliche Temperaturen! Raus aus den Leggins, Sweatshirt in den Rucksack, weg mit der Mütze. Wenn Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer Urlaub machen oder zumindest zu Hause bleiben, blühen die Spieler des Altmeisters auf.
Anachronismus der Begebenheiten: Waren in den eiskalten Rivers noch alle fit, so mussten sich nach dem letzten 74:64-Erfolg als Gast der Nürnberg Falcons BC gleich zwei Männer grippekrank vom Training abmelden. Erst fiel Center Jonathan Maier aus, dann blieb Pointguard Devon Goodman zu Hause. Doch sowohl an Silvester als auch an Neujahr, als die Mannschaft jeglichen größeren Feierlichkeiten abschwor, um sich in anstrengenden Einheiten auf die Partie am Samstag (19 Uhr) gegen die SBB Baskets Wolmirstedt vorzubereiten, waren alle wieder an Deck.
„Gottseidank“, so Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic, der zwischen 2025 und 2026 mit seiner Frau Gordana kurz zu Freunden nach Dortmund entschwunden war. „Es ist wichtig, dass wir alle Mann an Deck haben, denn Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Womit der 59-Jährige auch Daniel Norl meint. Der Ex-Bremerhavener war bei der 61:83-Niederlage gegen die BG Göttingen umgeknickt, hatte im Frankenland mit einem dicken linken Knöchel pausieren müssen, nahm am Dienstag aber wieder das Teamtraining auf. Um zu helfen, dass die 46ers mit einem Erfolg gegen den Neuling die Playoff-Plätze absichern, um den Aufwärtstrend fortzusetzen, um die aufkommende Kritik im Keim zu ersticken und um zu zeigen, dass der auf Rang sieben stehende Altmeister noch lange nicht abgeschrieben ist.
„Wir haben in Nürnberg endlich einmal von der ersten bis fast zur letzten Minute konstant und hart verteidigt, haben den Ball laufen lassen, haben mit Herz und Auge gespielt und haben Selbstbewusstsein demonstriert“, sah „Frenki“ Ignjatovic über weite Strecken viele Inhalte seiner serbischen Basketball-Schule: Starke Betonung auf Teamplay, Ballzirkulation und ein kollektives Spiel statt individueller Dominanz, mit hoher Intelligenz und großer Vielseitigkeit.
Und mit einem Big Man Till Gloger, der mit 21 Punkten seinen Saison-Höhepunkt hatte. Mit Go-to-Guy Simon Krajcovic, der großartig verteidigte. Mit seinem Backup Devon Goodman, der endlich in Gießen angekommen ist. Mit Capitano Robin Benzing, der uneigennützig agierte. Mit Roland Nyama, der nach seinem Corona-Rückschlag wieder ein Faktor ist. Und mit Luis König Figge, der sich ins Gemetzel warf.
Der Aufwärtstrend war auch bitter nötig, denn mit den SBB Baskets Wolmirstedt kommt eine Mannschaft nach Gießen, die bislang auf der bundesdeutschen Basketball-Landkarte eine Unbekannte war, die sich inzwischen im Unterhaus aber Respekt verschafft hat. Von den letzten acht Partien haben die im Laufe der Saison runderneuerten Männer aus Sachsen-Anhalt vier gewonnen und dabei besonders zuletzt beim 99:88 gegen die VfL SparkassenStars Bochum überzeugt. Mit 5:10-Siegen liegen sie auf Rang 14, was „Frenki“ Ignjatovic nicht überrascht: „Sie haben den Übergang von der ProB in die ProA gemeistert und inzwischen auch eine konkurrenzfähige Mannschaft.“
Seine Worte richtet der 46ers-Stratege vor allem auf US-Powerforward De’Vondre Perry, den er für den „entscheidenden Faktor“ im Spiel der Mannschaft von Coach Eiko Potthast hält. Das Kraftpaket spielte in der Saison 2022/23 für die Artland Dragons (17 Punkte und sieben Rebounds bei Stefan Fundics Buzzerbeater zum 82:81, acht Rebounds bei der 83:82-„Revanche“ im Quakenbrück ein halbes Jahr danach). Im November kam der 26-Jährige aus der Dominikanischen Republik vor die Tore Magdeburgs. In seinen bisher fünf Partien stand er im Schnitt satte 34 Minuten auf dem Feld, markierte zehn Punkte und sammelte sieben, beim 87:74-Sieg in Paderborn sogar 15 Rebounds ein.
Auch zu beachten: Der aus Japan verpflichtete US-Center Michael Hughes II, der zuzupacken weiß (zwölf Rebounds gegen Bochum, elf gegen Kirchheim) und der in seinen acht Einsätzen fast immer zweistellig abschloss. Die beiden US-Boys Trey Stewart und Daivien Williamson (regelmäßig über 20 Punkte) lenken das Spiel der SBB Baskets. Der ehemalige Nürnberger Martin Bogdanov, der schon in der fünften Saison in Wolmirstedt spielt, bringt es als Small Forward schon mal auf zehn Assists (wie gegen Bochum) oder 19 Punkte (wie bei der Niederlage gegen Bayreuth). Und auch Alieu Ceesay ist jederzeit in der Lage, mal 17 Punkte wie gegen die Artland Dragons oder sieben Abpraller wie gegen Münster und Kirchheim einzusammeln.
Auf die langfristig verletzten Akteure Lennard Winter, Ben Köhler, Modestas Paulauskas, Travis Henson und Joshua Bonga muss der Aufsteiger aus der 12.000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Landkreis Börde weiterhin verzichten. Was jedoch nichts daran ändert, dass die GIESSEN 46ers jenem Team, das den führenden deutschen Anbieter für Löschwasservorratsbehälter (SBB) als Namenssponsor hat, ordentlich Feuer machen möchte.
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