Academics gegen Alba Berlin: Schon eine Hand an der Schleife gehabt
Von Nikolas Beck
Heidelberg. Branislav Ignjatovic stand am Spielfeldrand und fand nur schwer Worte. "Sehr, sehr enttäuscht" sei er, sagte der serbische Basketball-Trainer. Nicht etwa, weil seine Schützlinge eine schwache Leistung gezeigt hätten. Oder ihr Trainer mehr von ihnen erwartet hätte. Nein. Was Ignjatovic umtrieb war, dass die MLP Academics beim 81:83 (43:40) gegen Alba Berlin am Sonntagnachmittag eine vielleicht einmalige Gelegenheit liegen ließen.
Im Vorfeld war viel von einem geplatzten Traum gesprochen worden. Weil die Bundesliga-Aufsteiger aus Heidelberg bereits zwei Wochen vor der Partie weit über 3000 Tickets abgesetzt hatten, hatte man sich berechtigte Hoffnungen gemacht, erstmals ein Basketball-Fest vor ausverkauftem Haus im neuen SNP Dome feiern zu können. Schließlich war nicht irgendjemand an der Speyerer Straße zu Gast. Sondern der amtierende Meister. Dass man den allerdings auch schlagen könnte, davon war in den Heidelberger Träumen eigentlich keine Rede gewesen.
Lediglich Ignjatovic hatte betont, dass es Weihnachtswunder immer wieder geben würde. Ein Sieg gegen den Spitzenklub, wenngleich die Euroleague-Teilnehmer aus der Hauptstadt nach fünf Partien in den vergangenen zehn Tagen alles andere als ausgeruht in Heidelberg aufschlugen, hätte jedenfalls zumindest das Potenzial gehabt, als schöne Überraschung unterm Christbaum zu liegen.
Und gefühlt hatten die Academics über weite Strecken die Bescherung im Blick, immer einen Tick die Nase vorn. Im dritten Viertel führten die Hausherren kurzzeitig sogar zweistellig (53:43/24.). Postwendend schlug Alba aber zurück, antwortete mit einem 9:0-Lauf.
Dennoch hatte Shy Ely, der routinierteste aller "Akademiker", 25 Sekunden vor Schluss seine Hand bereits an der Schleife des Geschenkpapiers, um im Bild zu bleiben. Völlig frei legte der US-Amerikaner ganz nah am Korb seinen "Floater" aber daneben, während im direkten Gegenzug Nationalspieler Maodo Lo einen ähnlichen Wurf mit der Schlusssirene im Korb versenkte. Die Handvoll Berliner Schlachtenbummler unter den 750 erlaubten Zuschauern sang, tanzte und lachte. Ely und Co. sanken geknickt zu Boden.
"Ich hatte wahrscheinlich den einfachsten Wurf des ganzen Spiels, direkt am Korb – und habe ihn daneben geworfen", war der 34-Jährige im Gespräch mit der RNZ untröstlich: "Den mache ich von 100 Versuchen wohl 99 Mal."
Dieses eine Mal allerdings nicht. Einen Vorwurf wollte dem Anführer im Heidelberger Trikot freilich keiner machen. Auch Ignjatovic nicht: "Egal, wie hart es klingt, wir haben am Ende einfach insgesamt zu viele Fehler gemacht." Eine unnötige Einzelaktion hier, ein verpasster Rebound dort: "Wir haben vorher schon gewusst, dass wir uns keine Unaufmerksamkeiten leisten dürfen, wenn wir eine Chance gegen Alba bekommen – und diese nutzen wollen."
Unterm Strich steht nun also die siebte Niederlage in Serie. Die Senkrechtstarter, zu Saisonbeginn zwischenzeitlich sogar Tabellenführer, sind auf Rang 14 abgestürzt. Matthias Lautenschläger glaubt dennoch an eine baldige Trendumkehr: "Wenn wir diese Leistung und diese Energie von heute in den anderen Spielen bringen, dann sind weitere Erfolge nur eine Frage der Zeit", ist sich der Manager sicher: "Ich kann nur meinen Hut ziehen vor der Moral der Mannschaft, nach sechs Niederlagen in Folge ist das sicher nicht leicht."
Bei Lautenschlägers erstem Angestellten saß der Stachel dagegen noch zu tief. Dass man den großen Favoriten beinahe gepackt hätte, war für Ignjatovic kein Trost: "Alle Niederlagen tun weh, dafür kann man sich nie etwas kaufen." Einerseits werde man von allen Seiten gelobt, andererseits gehe die erfolglose Zeit – den letzten Sieg gab es für die Academics Mitte Oktober – an die Substanz, so der 55-Jährige: "Wenn du jedes Spiel mit zwei Punkten verlierst, steigst du trotzdem ab."
Was der enttäuschte Coach "Frenki" allerdings genauso gut weiß: Wenn du jede Partie so spielst wie gegen Alba, wirst du nicht jedes Spiel mit zwei Punkten verlieren. Und dann bräuchte es für den Klassenerhalt nicht einmal mehr ein Weihnachtswunder.
Heidelberg: Lowery: 19 (2 Dreier), Chapman 18 (1), Ely 10 (1), Martin 9 (1), Geist 9 (1), Ugrai 9 (1), Würzner 5 (1), Heyden 2, Wright, Kuppe.
Berlin: Lammers 14, Sikma 13 (1), Olinde 13, Zoosman 12 (2), Lo 12 (2), da Silva 8 (1), Thiemann 5, Blatt 3 (1), Mattisseck 3 (1), Delow, Eriksson, Schneider.
Stenogramm: 4:4 (3.), 15:15 (8.), 22:19 (1. Viertel), 23:26 (13.), 34:33 (18.), 43:40 (Halbzeit), 49:41 (23.), 60:56 (28.), 63:58 (3. Viertel), 68:65 (33.), 77:77 (38.), 81:83 (Endstand).

