MLP Academics: Wundersamer Sieg gegen Rostock nach dramatischer Schlussphase
Von Michael Wilkening
Heidelberg. Ganz wenige Zuschauer hatten die OSP-Halle schon verlassen und dürften sich mächtig geärgert haben, als sie gehört haben, was sie am Sonntagabend noch verpasst haben. Ein Spiel, das schon verloren schien, das im Grunde bereits verloren war, drehten die MLP Academics Heidelberg noch um. Nach einer dramatischen Schlussphase siegten die Schützlinge von Branislav Ignjatovic in der 2. Basketball-Bundesliga gegen die Rostock Seawolves 78:72 (68:68, 24:30) nach Verlängerung. "Danke an alle, die den Glauben an uns nicht verloren haben. Selbst ich habe für einen kurzen Moment mal den Glauben verloren", sagte Ignjatovic unmittelbar nach dem Ende der Begegnung, in der seine Spieler auf wundersame Weise doch noch einen Weg zum Erfolg fanden.
Drei Minuten vor dem Ende war eigentlich alles vorbei, was ein paar Zuschauer veranlasste, die Halle am Olympiastützpunkt zu verlassen. Beim Stand von 54:66 schien die Entscheidung schlau, mit einer schnellen Flucht dem zäh abfließenden Verkehr aus dem Weg zu gehen. Was schlau erscheint, ist es aber nicht zwingend, denn die Heidelberger kämpften sich in den finalen Minuten der regulären Spielzeit noch einmal zurück. Das Spiel war nicht mehr schön, aber es wurde dramatisch - und die Energie, die die Academics auf dem Feld verströmten, war beeindruckend.
Die Seawolves wurden parallel dazu müder und nervöser, so dass die Heidelberger 30 Sekunden vor dem Ende auf 65:67 verkürzt hatten. Haris Hujic verwandelte danach nur einen von zwei Freiwürfen, ehe Shyron Ely knapp elf Sekunden vor dem Ende mit einem Dreier zum 68:68 ausglich - Verlängerung. In der fünfminütigen Extrazeit übernahmen die Routiniers das Zepter, denn jetzt sorgten Niklas Würzner, Shyron Ely, Zamal Nixon und Phillipp Heyden für die Entscheidung zugunsten der Heidelberger.
Phillipp Heyden war überraschend ins Team der Heidelberger zurückgekehrt, nachdem er zuvor nur wenige Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolvieren konnte. Der Kapitän stand nach auskurierter Knieblessur zwar nicht in der Startformation, kam allerdings nach wenigen Minuten aufs Feld. Der Center reihte sich unmittelbar ins Team ein, denn ihm gelang in der Offensive lange ebenso wenig wie den Kollegen. Doch die ersten 37 Minuten der Partie verblassten angesichts der Schlussphase.
In der ersten Halbzeit zeigten de Academics die schwächste Offensivleistung im bisherigen Saisonverlauf und brachten nach 20 Minuten gerade einmal 24 Zähler auf die Anzeigetafel. Lediglich neun von 29 Wurfversuchen waren erfolgreich - so dass die Schützlinge von Ignjatovic froh sein konnten, dass sie nach der Pause noch eine Siegchance hatten.
Nach der Pause spielten die Academics lange nicht wirklich besser - aber sie überzeugten mit ihrem Willen. Nach dem 32:49-Rückstand (28.) passierte auf dem Feld etwas, das nur schwer zu erklären ist. Ignjatovic hatte viele Fehler gesehen, aber es sind Matches wie das gestrige seiner Mannschaft, die einen Trainer stolz machen. Es zeichnet funktionierende Teams aus, trotz spielerischer Probleme durch Kampf zu gewinnen. Und diese Eigenschaft zeigten die MLP Academics Heidelberg eindrucksvoll, was ein paar Zuschauer nicht mehr sahen.
Heidelberg: Ely 25 Punkte/4 Dreier, Nixon 15/3, Trtovac 15, Würzner 7/1, Heyden 5, Eberhard 4, Schmitt 4, Jelks 3/1, Liyanage, Teichmann.
Rostock: Alte 13, Diouf 11, Pope 10/2, Hujic 10/1, Sitton 8/1, Nicholas 8, Bogdanov 7/1, Marin 5/1, Jost.
Stenogram: 5:7 (5.), 15:18 (1. Viertel), 22:21 (14.), 24:30 (Halbzeit), 28:40 (24.), 32:49 (28.), 40:51 (3.Viertel), 46:52 (32.), 50:60 (35.), 68:68 (4. Viertel), 78:72 (Endstand).

