Heidelberg: MLP Academics siegen 95:79 im Spitzenspiel gegen Tübingen
Von Nikolas Beck
Heidelberg. Was Branislav Ignjatovic alles zum Geburtstag bekommen hat, hat er nicht verraten. Doch wer den seit Mittwoch 53 Jahre alten Basketball-Lehrer kennt, der weiß: Das schönste Geschenk machten ihm seine MLP Academics Heidelberg. Die siegten im Spitzenspiel gegen Primus Tigers Tübingen mit 95:79 (37:44), zeigten in der zweiten Hälfte ihre besten 20 Minuten der noch jungen Saison und bleiben nach vier Spieltagen der 2. Basketball-Bundesliga ungeschlagen.
Begonnen hatte der Abend für die 760 Zuschauer im Olympiastützpunkt aber mit einer Enttäuschung. Kapitän Phillipp Heyden saß in Pulli und Jeans auf der Bank. Einsatz ausgeschlossen. Ein "minimaler Knorpelschaden im rechten Knie", wie Heyden kurz vor Spielbeginn verriet, zwingt den Center zum Zuschauen. "Die nächsten beiden Spiele auf jeden Fall, dann sehen wir weiter", so Heyden, der einen fahrigen Beginn seiner Kollegen mit vier Ballverlusten in den Anfangsminuten beobachten musste.
Ein Glück, dass Niklas Würzner, das Eigengewächs, das in zwei der ersten drei Partien überhaupt nicht gepunktet hatte, mehr Wurfglück hatte und zu Beginn zweimal von jenseits der Drei-Punkte-Linie verwandelte. Und als am Ende eines umkämpften Auftaktviertels Stephon Jelks krachend per Dunking erfolgreich war, schienen die Hausherren endgültig in die Partie gefunden zu haben.
Doch weit gefehlt: Im Anschluss fuhren die Tigers ihre Krallen aus. Matthias Lautenschläger suchte die Gründe für den 37:44-Rückstand zum Pausentee bei den eigenen Akteuren: "Offensiv zu statisch, defensiv zu langsam", so das Zwischenfazit des Academics-Managers.
In der Kabine fand Geburtstagskind Ignjatovic aber offenbar die richtigen Stellschrauben, um die Neckar-Riesen wieder auf Kurs zu bringen. Topscorer Shy Ely und Co. legten zu Beginn der zweiten Hälfte einen 15:4-Lauf hin, lagen nach fünf Minuten mit 52:48 in Führung. "Ich habe zur Halbzeit das gesagt, was wahrscheinlich jeder Trainer gesagt hätte", gab sich der Heidelberger Coach bescheiden: "Besser rebounden und die Dreier besser verteidigen." Eine kleine Vorgabe mit einer großen Wirkung.
Einmal in Führung gegangen, gaben die Academics diese nicht mehr ab. Auch, weil in Abwesenheit Heydens Armin Trtovac unter den Körben mächtig Alarm machte. Der Ersatz-Center punktete fleißig und schnappte sich einen Rebound nach dem anderen. "Davon träumt man", freute sich Lautenschläger. Man habe darüber nachgedacht, einen temporären Ersatz für Heyden zu verpflichten, sich dann aber entschlossen, dem 22-Jährigen das Vertrauen zu schenken, verriet der Manager: "An so etwas kann ein Spieler auch wachsen, was er uns heute gegeben hat, war phänomenal."
Im Schlussabschnitt packten die "Akademiker" noch mal eine Schippe drauf. Mit einer kleinen Aufstellung spielten sich Shyron Ely (21 Punkte), Zamal Nixon (13), Würzner, der am Ende auf 14 Zähler kam, und diesmal auch Marc Liyanage (12) phasenweise in einen Rausch. Basketball aus einem Guss war’s, sodass Ignjatovic am Ehrentag selbst Geschenke verteilen durfte und den Nachwuchskräften Jonas Ihle und Marjan Heindel Einsatzzeit ermöglichte.
"Der schönste Geburtstag meines Lebens", sagte "Frenki" hinterher: "Meine Familie ist da, wir gewinnen gegen einen starken Gegner - und meine Mannschaft spielt so eine tolle zweite Halbzeit. So kann es weitergehen."
Und zwar am besten schon am Sonntag. Denn nach dem Spitzenspiel ist vor dem Spitzenspiel: Mit den Eisbären Bremerhaven ist dann das nächste noch ungeschlagene Team im Olympiastützpunkt zu Gast.
Stenogramm: 10:11 (5.), 18:19 (1. Viertel), 22:26 (13.), 31:42 (18.), 37:44 (Halbzeit), 44:44 (23.), 59:54 (28.), 66:61 (3. Viertel), 77:67 (33.), 88:71 (38.), 95:79 (Endstand).
Heidelberg: Ely 21 (3 Dreier), Trtovac 18, Würzner 14 (4), Nixon 13 (1), Liyanage 12 (2), Eberhard 6, Jelks 4, Teichmann 4, Schmitt 3 (1), Ihle, Heindel.
Tübingen: Strings 20 (1), Wolf 15 (1), Baldwin 12 (1), Stammberger 10 (2), Fulwood-Davis 7 (1), Smith 6 (1), Nyama 5, Bekteshi 4, Graham.

