MLP Academics: Heidelberger Basketballer nach 72:66 neuer Tabellenzweiter
Von Nikolas Beck
Hamburg. Branislav Ignjatovics Vorfreude auf das gestrige Gastspiel in Hamburg war riesengroß. Insgeheim vielleicht auch, weil sich der Trainer der MLP Academics Heidelberg ein bisschen Anschauungsunterricht von den Nordlichtern erhoffte. Schließlich sind die Towers, erst vor fünf Jahren gegründet, auf dem besten Wege in die Bundesliga. Sie spielen regelmäßig vor rund 3000 Zuschauern und liefen erstmals auch mit einem Hauptsponsor auf der Brust auf, der den Etat auf 2,7 Millionen Euro angehoben haben soll.
Strukturell spielen die Academics noch in einer andere Liga. Den sportlichen Anschauungsunterricht gab’s hingegen am Sonntagabend für die Hamburger. Mit 72:66 (37:34) triumphierte das Ignjatovic-Ensemble nach dem Erfolg im Hinspiel im Dezember auch im Norden.
Ein Erfolg beim davor in eigener Halle noch ungeschlagenen Aufstiegsfavoriten sei "ein vorentscheidender Schritt in Richtung Playoffs", hatte der Heidelberger Trainer vor der Partie eingeräumt. Und auch nach dem achten Sieg in den vergangenen zehn Spielen, mit dem sich die "Akademiker" an den punktgleichen Hamburgern vorbei auf Rang zwei geschoben haben, wollte Ignjatovic von einer anderen Zielsetzung nichts wissen. "Das ist wie in einem Autorennen von Heidelberg nach Hamburg, bei dem wir momentan gleichauf in Kassel angekommen sind - nur hat das Auto neben uns 200 PS mehr unter der Haube", sagte der Serbe mit einem Augenzwinkern.
Ignjatovics Vergleich mag passend sein. Im direkten Duell brachte der Favorit seine "Pferdestärken" aber nicht aufs Parkett. Von Beginn an waren es die Heidelberger, die der Partie mit ihrer starken Verteidigung den Stempel aufdrückten. "Defensiv war das wohl unsere beste Saisonleistung", schwärmte Ignjatovic von einem "absolut verdienten Sieg" und einem "Gameplan, der komplett aufgegangen ist."
Zu Beginn der zweiten Hälfte übernahmen die Academics mehr und mehr das Kommando und schossen sich bis Mitte des vierten Viertels eine 16-Punkte-Führung heraus. Dennoch wurde am Ende noch einmal gezittert. "Da haben nicht nur wir, sondern auch die Schiedsrichter ein bisschen den Kopf verloren", wunderte sich der Academics-Coach über so manchen Pfiff.
So waren die Towers bis auf sechs Punkte herangekommen (64:70), als der starke Niklas Würzner 30 Sekunden vor Schluss Beau Beech beim Dreipunktewurf foulte - und sich so sehr darüber ärgerte, dass es ein Technisches Foul obendrauf gab. Ein Glück für Würzner und die Academics, dass Beech in der Folge nur zwei seiner vier Freiwürfe verwandeln konnte.
Hamburg: Walker 13 (2 Dreier), Beech 11 (1), Freese 11, Barham 8 (1), Kindzeka 7 (1), Zazai 6, Raffington 5, Guyton 3, Müller 2.
Heidelberg: Heyden 16 (1), Ely 15 (1), Oppland 13, Würzner 11, Smith 8, Palm 3, Schmitt 2, Liyanage 2, Ney 2.
Stenogramm: 8:7 (5.), 17:18 (1. Viertel), 28:28 (15.), 34:37 (Halbzeit), 36:44 (23.), 47:59 (3. Viertel), 52:68 (34.), 64:70 (39.), 66:72 (Endstand).

