NBA-Basketballer Paul Zipser: "Der Spaßfaktor ist nicht da"
Von Tillmann Bauer
Heidelberg. Aktuell hat Paul Zipser wieder sein gewohntes Umfeld um sich. Es sei ganz schön, in der Heimat zu sein, verrät der Basketball-Profi von den Chicago Bulls. Die NBA-Saison ist vorbei, der 24-Jährige weilt aktuell in Schriesheim und befindet sich im Aufbautraining am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar. Eine Fußverletzung hatte ihn vor etwa einem Monat aus der Bahn geworfen.
Paul Zipser, seit wann sind Sie wieder in der Heimat?
Seit fünf Wochen. Nach der Saison wollte ich erst einmal ein bisschen runterkommen, Urlaub machen und dann wieder langsam anfangen zu trainieren. Dabei habe ich an meinem Fuß aber schon mehr Schmerzen gemerkt, als ich erwartet hatte. Und die wurden nicht weniger. Nachdem dann festgestellt wurde, dass es ein Ermüdungsbruch ist, haben wir uns für die Operation entschieden.
Wie geht es Ihnen aktuell?
Die OP ist perfekt verlaufen. Die Entwicklung ist seitdem sogar besser, als die Ärzte angekündigt hatten. Nun kann ich bereits wieder ein bisschen einsteigen und am Olympiastützpunkt verschiedene Übungen machen.
Haben Sie auch die Entwicklung der MLP Academics Heidelberg verfolgt?
Klar, sie hätten noch eine Runde weiter kommen müssen, dann wäre ich zum Spiel vorbei gekommen. Ich habe aber gehört, dass sie sich noch einmal im Vergleich zur vergangenen Saison verbessert haben. Die Chance war in diesem Jahr groß, dass sie noch mehr erreichen. Umso ärgerlicher für mich, dass ich nicht zuschauen konnte.
Zurück zu Ihrer Karriere: Wie würden Sie Ihre zwei Jahre in der NBA zusammenfassen?
Die waren sehr abwechslungsreich. Das erste Jahr lief einfach sehr gut. Ich habe mich von Anfang an ins Team gekämpft, habe gezeigt, wie ich der Mannschaft helfen kann. Die Bulls haben gerade jemanden wie mich gebraucht. Deshalb hat das auch so gut funktioniert. Wir haben voneinander profitiert - darum waren wir auch erfolgreich.
Und im zweiten Jahr?
Das war ganz anders. Es lief von Anfang an nicht, zudem hatte ich schon mit meiner Verletzung zu kämpfen. Da war noch nicht ganz klar, was es überhaupt ist. Wenn man Schmerzen im Fuß hat, geht man automatisch ein bisschen mit der Intensität runter. Man will sich einfach nicht schwer verletzen und komplett raus sein. Es war dann schwierig für mich, mit dem Kopf beim Sportlichen zu bleiben - das habe ich nicht gut hinbekommen. Trotzdem soll die Verletzung keine Entschuldigung sein.
Was war noch entscheidend für die enttäuschende Saison?
Ich denke, wir hatten im Verein eine Philosophie, die mir einfach nicht mehr gefallen hat. Es gab viele Rotationen, die in einem Team normalerweise nicht passieren würden. Diese ganze Umstellung war für alle schwierig - und gerade für mich persönlich.
Haben Sie das angesprochen?
Am Anfang wurde es den Spielern nicht richtig mitgeteilt. Erst später kam dann die Ansage, dass man etwas an der Rotation ändern möchte, wir als Spieler aber nichts dafür könnten. Das hat den Teamgeist dann endgültig zerstört. Auch davor hatte man schon bei ein paar Dingen gemerkt, dass Entscheidungen unlogisch waren, wenn man eine Saison erfolgreich gestalten will. Mit meinem Coach habe ich immer offen und ehrlich kommuniziert, ich schätze ihn sehr.
Wann entscheidet sich Ihre Zukunft?
Ich bin mir für meine Karriere ganz sicher, dass ich so ein Jahr wie das vergangene nicht noch einmal erleben möchte. Da sehe ich einfach keinen Sinn. Der Spaßfaktor ist nicht da, wie ich ihn sonst bei diesem Sport liebe. Die Bulls haben bis Mitte Juli eine Option, bis dahin müssen sie sagen, ob sie mich behalten wollen oder nicht. Ich wäre nicht überrascht, wenn sie mich nicht mehr wollen.
Und wenn doch?
Ich bin mir eigentlich relativ sicher, dass ich bald nicht mehr in Chicago spiele.
Wohin soll die Reise gehen?
Generell bin ich noch immer ein großer Fan der NBA. Falls es ein gutes Angebot für mich gibt, das auch Sinn macht - dann werde ich dort bleiben. Ansonsten habe ich kein Problem damit, wieder in Europa zu spielen. Ich mag wirklich den Stil in Amerika, dort wird anders gespielt, das kommt mir zugute. Wenn aber nur Angebote kommen, bei denen ich denke, dass es ähnlich wie bei den Bulls sein wird - dann bin ich mir sicher, dass ich das nicht machen werde.
Wäre ein Wechsel nach Europa ein Rückschritt?
Überhaupt nicht. Ich glaube meine erste Saison hat gezeigt, dass ich bei den Besten mitspielen kann. Wenn man weiß, wie die zweite Saison gelaufen ist, dann wird man von keinem Rückschritt sprechen.

