Basketball-"Original" aus der Region: Die "Inge" kannte jeder
Von Joachim Klaehn
Heidelberg. In der hiesigen Basketball-Szene war sie überall bekannt: Ingeborg Steiger, die "Inge" eben. Im Bezirk 1 übte sie über Jahrzehnte hinweg diverse Tätigkeiten aus - als Schiedsrichterin, Staffelleiterin und Pressewartin. Stand ein Ergebnis aus der Korbjägerszene mal nicht in der RNZ drin, dann gab es prompt den netten Hinweis: "Habt ihr das nicht mitgekriegt?" Inge Steiger, die wie erst kürzlich bekannt wurde, bereits am 20. Dezember nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren überraschend verstarb, kann man zurecht als Original und eigenwilligen Menschen bezeichnen.
Sie war von Geburt an spastisch gelähmt, hatte also keine leichte Kindheit, machte Abitur, galt als "Mathe-Ass" und arbeitete als Computer-Fachfrau bei Siemens in Mannheim. Später hielt sie sich mit verschiedenen Jobs über Wasser, auch als Zeitungsausträgerin der RNZ.
Ihre große Leidenschaft galt unterdessen dem orangefarbenen Ball. "Inge war immer hilfsbereit und ist ständig eingesprungen", sagt Hans-Jürgen Treiber, Vorsitzender des TSV Wieblingen. Derjenige Klub, dem sie sich seit 2003 mit Herzblut verschrieben hatte. Davor war sie beim Heidelberger SC, USC, bei der TSG Ziegelhausen, KuSG Leimen und SG Kirchheim gewesen. Gemeinsam mit Helge Ochs, Rosi Rittinger und Co. spielte Inge Steiger auch in einem Team, trainierte bis zu ihrem Klinikaufenthalt in einer SGK-Freizeitgruppe.
Legendär waren zuweilen ihre Auftritte als Schiedsrichterin. Weit über 1 000 Spiele soll sie auf Bezirksebene gepfiffen haben. Ex-Jugendwartin Doris Kaus hat eine köstliche Anekdote parat. "Du pfeifst klasse, Inge! Das hast du gut entschieden!", habe sie mal als Trainerin zu "Ref" Steiger gesagt. Ihr Team sei anschließend eher bevorzugt worden, erzählt Kaus mit einem Augenzwinkern.
Vom Mund abgespart hatte sich Inge zwei weite, große Reisen: Eine mit der Transsibirischen Eisenbahn, eine nach Fernost. Kindheitsträume wurden wahr.
Weil sich keine Angehörigen fanden, wurde der TSV Wieblingen in den letzten Wochen aktiv, wendete ein Armenbegräbnis in Kirchheim ab und sorgte mit viel Engagement für eine ordentliche Beerdigung in Wieblingen. "Das ist eine Ehrensache für uns", bekräftigt Hans-Jürgen Treiber gegenüber der RNZ. Nun steht fest, dass die Urnenbestattung mit Trauerfeier am kommenden Montag, 26. Februar, um 11.30 Uhr auf dem alten Wieblinger Friedhof stattfinden wird.
Treiber hat ein Spendenkonto einrichten lassen. Der Basketball-Verband Baden-Württemberg (BBW), einige regionale Vereine sowie Privatpersonen haben inzwischen signalisiert, sich finanziell am Grab und dessen Pflege zu beteiligen. Inge hat sich einen würdigen Abschied von "ihrer" geliebten Basketball-Gemeinde redlich verdient.

