Basketball
News melden
Nachrichten

Geplante "Heidelberg-Arena": MLP Academics peilen 20 Saisonspiele in der neuen Halle an

0

Von Joachim Klaehn

Heidelberg. Die Halle kommt - hoffentlich. Das Nutzungskonzept der "Heidelberg-Arena" (Arbeitstitel) sieht mit dem Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen und dem Basketball-Zweitligisten MLP Academics Heidelberg zwei "Hometeams" vor, deren schriftliche Zusagen bereits vorliegen. Die meisterlichen Löwen planen vier bis acht Champions-League-Gruppenspiele plus Pokalpartien im Sporttempel an der Speyerer Straße, die Academics kalkulieren ihrerseits mit rund 20 Korbjagden pro Saison.

"Wir müssen und wollen uns in den nächsten Jahren entsprechend aufstellen", sagt Matthias Lautenschläger, seit 2012 Geschäftsführer des ProA-Ligisten, im RNZ-Gespräch. Der 37-jährige Diplom-Betriebswirt weiß um die Anforderungen, die ein solches Projekt mit sich bringt. Baubeginn der schmucken Multifunktionsarena soll möglichst im Juli 2018 sein, Fertigstellung und Übergabe ist für Herbst 2019 anvisiert.

Lautenschläger geht vernünftigerweise davon aus, dass die ausgegliederte Spielbetriebs GmbH des USC Heidelberg als Zweitligist in die neue Heimat einzieht, denn im Augenblick sind die "Riesen vom Neckar" nicht auf Schlagdistanz zur Beletage Deutschlands, der easyCredit Basketball-Bundesliga (BBL). Noch professionellere Strukturen lassen sich nicht adhoc schaffen. Das Saisonbudget für 2017/18 liegt nach RNZ-Informationen bei rund 800.000 Euro, Lautenschläger und Co. müsste es gelingen, das Vierfache an Geld einzusammeln, um nach einem eventuellen Aufstieg in der Bundesliga überhaupt einigermaßen wettbewerbsfähig zu sein. Eine Herkulesaufgabe wartet auf die Macher.

Zuletzt gab es indes "positive Signale", wie Matthias Lautenschläger konstatiert. Nach einer exquisiten Sponsorenveranstaltung im April mit "Zugpferd" Uli Hoeneß vom FC Bayern München haben sich kleinere und mittlere Partner zu einem Engagement entschlossen. Der hiesige Finanzdienstleister MLP hat das Hauptsponsoring unlängst bis 2019 verlängert, so dass das Fundament bis zur Öffnung der Hallenpforten gesetzt ist.

Seit die ProA im Jahr 2007 gegründet wurde, hat sich die zweithöchste Spielklasse mit dem Geschäftssitz in Köln enorm weiterentwickelt. "Wir haben bewusst einige Standards rausgepickt, um den Sprung in die BBL für die Klubs zu verringern", sagt Liga-Geschäftsführer Daniel Müller. Die Schlagworte heißen: Infrastruktur, Hauptamtlichkeit, Marketing und Nachwuchsarbeit.

Müller nennt beim Thema Halle einige Positivbeispiele für Heidelberg: "In Vechta, Crailsheim und Gotha sind nach den Umzügen in andere Spielstätten ganz andere Möglichkeiten entstanden." Der Olympiastützpunkt Rhein-Neckar verfügt zweifellos über formidable Trainingsmöglichkeiten auf Parkett und mit hochwertigen Korbanlagen, es fehlt freilich an atmosphärischer Dichte sowie Voraussetzungen, um Sponsoren und Zuschauer über die Stammklientel hinaus anzulocken.

Mit 850 Besuchern pro OSP-Korbjagd in der letztjährigen Spielzeit liegen die Neckarstädter mit am Tabellenende der ProA, deren Zuschauerschnitt sich bei 1600 Fans einpendelt. Auch im Etat-Ranking von 2016/17 wurde Heidelberg unter 16 Teams lediglich Neunter oder Zehnter.

Jahr für Jahr haben die Heidelberger ein besseres Paket geschnürt, optisch und inhaltlich ist sukzessive in der OSP-Halle (Jahrgang 1972) viel passiert. Darüber hinaus hofft Lautenschläger bald einen hauptamtlichen Leiter Marketing/Vertrieb sowie einen kompetenten Trainer - gerade für den Jugendbereich - präsentieren zu können.

An der künftigen Zusammensetzung des Profi-Teams wird derweil eifrig gebastelt. Gute Nachricht: Mit dem 23-jährigen Amerikaner Evan McGaughey (2,03 Meter, Position vier) von der Quincy University/Illinois (College-Division II) haben die Academics einen "Rookie" verpflichtet. McGaughey gilt als vielversprechendes Talent - er markierte in seinem letzten Collegejahr 16,75 Punkte und angelte sich 8,03 Rebounds im Schnitt. Vielversprechende Werte sind das.

In den Endzügen der Verhandlungen befindet sich Lautenschläger mit einem Amerikaner aus der ersten belgischen Liga, der als erfahrener Playmaker gilt, zumal Kämpfertyp Vance Hall womöglich den Arbeitgeber wechselt. Mit Shyron Ely, Albert Kuppe, Martin Seiferth (Chemnitz), McGaughey (Quincy) und Niklas Ney steht aber schon mal ein Teamgerüst. Niklas Würzner soll langfristig (2019/2020) an die Academics gebunden werden. "Er hat eine super Entwicklung gemacht", berichtet Lautenschläger begeistert über Heidelbergs OB-Sohn.

Im Fall von Christoph Rupp gab es am gestrigen Freitag eine Absage. Trainer Branislav "Frenki" Ignjatovic muss künftig auf dessen Dienste verzichten, Rupp räumt seinem Medizinstudium oberste Priorität ein. Bei Constantin Schmitt hängt der Verbleib vom Studienort (Medizin) ab.

Vor allem mit dem Unterbau existieren nach dem Abstieg des USC aus der 1. Regionalliga sowie des NBBL-Teams Probleme. Vier Nachwuchsakteure wechselten unmittelbar vor der Qualifikationsrunde zur Konkurrenz. "Mich nervt das extremst", bekennt Lautenschläger.

Auf "Drahtzieher" Mario Dugandzic ist der Academics-Geschäftsführer überhaupt nicht gut zu sprechen. Der Deutsch-Kroate, Ex-Spieler und Ex-Regionalliga-Trainer des USC, habe das Quartett mit Einzeltraining im OSP und großartigen Versprechungen Richtung ProB und BG Karlsruhe abgeworben. Doch die Liga-Verantwortlichen verweigerten inzwischen den Fächerstädtern aus Liquiditätsgründen die ProB-Lizenz. Ein brisanter Fall.

Der Jugendbereich - ohne NBBL, aber mit JBBL und wieder WNBL - wird sich teilweise neu sortieren müssen. Dass die Academics an die ProA-Liga eine Strafe von 30.000 Euro wegen des NBBL-Abstiegs bezahlen müssen, entpuppte sich als Gerücht. "Auf die Heidelberger kommen keinerlei Strafen zu", antwortete Daniel Müller auf eine RNZ-Nachfrage. Eine Verpflichtung zu einer NBBL-Teilnahme existiere für Zweitligavereine nicht, der Erwerb einer sogenannten Wildcard bleibe ausschließlich Erstligisten vorbehalten.

Freilich: Ab 2018/19 ist eine JBBL-Mannschaft für die ProA-Klubs Pflicht. Sich im Wirrwarr zwischen Spielordnungen und Strafenkatalogen zurechtzufinden, ist im Basketball fürwahr eine Wissenschaft für sich.

Dennoch: Der Weg ist das Ziel. Heidelberg als alte deutsche Basketball-Hochburg darf sich fortan zu einem lukrativen Hallenprojekt und sportlichen Visionen bekennen. Schön wär’s.

Comments

Комментарии для сайта Cackle
Загрузка...

More news:

Read on Sportsweek.org:

HC Rot-Weiß München e.V.
Deutscher Basketball Bund
Basketball Club Anhalt e.V.
DBV Charlottenburg - Basketball

Andere Sportarten

Sponsored