Mit Spenderleber aufs Siegertreppchen: Wieslocher Schüler holt bei Weltspielen für Transplantierte Bronze
Von Ute Teubner
Wiesloch. "Er hat eine super Ausdauer", freut sich Kristin Graff und deutet stolz auf ihren Sohn. Der nickt artig. Ja, als Grundschüler hat er Fußball bis zur E-Jugend gespielt, derzeit trainiert er einmal pro Woche Badminton. "Yorick wandert außerdem ganz toll, ist ein begeisterter Tänzer und fährt jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule", fügt Mutter Kristin noch hinzu. Ein ganz normaler 16-Jähriger also. Zumindest auf den ersten Blick.
Der sportbegeisterte angehende Elftklässler wirkt kerngesund, ist aber chronisch krank: Er lebt mit einem fremden Organ, einer Spenderleber.
Trotzdem hat der junge Wieslocher jetzt erneut den Sprung aufs Siegertreppchen geschafft: Nachdem er bereits letztes Jahr bei den Deutschen Meisterschaften für Transplantierte und Dialysepatienten Badminton-Gold im Einzel und Doppel geholt hatte, errang der Badmintonspieler nun Bronze bei den elften Weltspielen für Transplantierte, den World Transplant Games (WTG), im spanischen Málaga.
Yorick war gerade mal 14 Tage alt, als er erstmals eine große Bauch-OP über sich ergehen lassen musste. Im Alter von sieben Monaten wurde ihm schließlich eine neue Leber transplantiert. Seither muss er täglich Medikamente einnehmen, um eine Abstoßung des Organs zu verhindern. "Ansonsten habe ich aber eigentlich keine Einschränkungen", erklärt der Gymnasiast knapp und bündig. Die tägliche Tablettenration, die höhere Infektanfälligkeit, die unter anderem dazu führte, dass Yorick in der fünften Klasse drei Monate am Stück krank war - all dies ist Alltag für den Lebertransplantierten.
"Wir haben ihn nie verhätschelt", betont seine Mutter, die sich neben Yorick um drei weitere Söhne zu kümmern hat. Kristin Graff findet es wichtig, "ein Stück Normalität" zu leben. Und dazu gehöre eben auch die körperliche Ertüchtigung. Die Apothekerin weiß: "Bewegung tut gut und wirkt sich erst recht auf Transplantierte und Dialysepatienten positiv aus." Ihnen gehe es mit Sport einfach besser. Und: Ein gesunder Körper erhalte sich das fremde Organ erheblich länger.
Insofern war es für die Wieslocherin denn auch keine Frage, ihren Sohn darin zu bestärken, an den Weltspielen in Spanien teilzunehmen. Zumal die ganze Familie Graff sehr sportlich ist und das gesamte Spektrum von Basketball über Tennis, Schwimmen, Fußball und eben Badminton abdeckt. Gemeinsam mit Yorick und den beiden jüngeren Brüdern flog sie nach Málaga, um dabei zu sein, mitzufiebern und anzufeuern.
Insgesamt 2300 Sportler aller Altersgruppen aus 52 Nationen gingen dort Ende Juni in den verschiedensten Disziplinen an den Start. Yorick Graff war einer der rund 60 deutschen Teilnehmer, die bei der Weltmeisterschaft um Medaillen kämpften. Und damit einer von vielen Transplantierten, die mit neuer Leber und sogar Lunge oder Herz Rekorde aufstellten.
"Das Schöne war: Man traf dort auf Leute, denen es gut geht, auf gesunde Kranke sozusagen", beschreibt Mutter Kristin die Atmosphäre bei den WTG-Spielen in Málaga. "All diese Menschen nutzen ihre Chance auf ein zweites Leben, ein Leben, das sie im Rahmen der Wettkämpfe feiern."
Das Sportereignis bringe zudem eine Wertschätzung gegenüber den Spendern zum Ausdruck und sensibilisiere die Öffentlichkeit für das Thema "Transplantation". "Die Betroffenen", beklagt Kristin Graff, "warten schließlich viel zu lange auf Spenderorgane."
Und Yorick? Der fand es natürlich "cool", endlich einmal auf Jugendliche zu treffen, "die eine ähnliche Krankheit haben und die dabei alle ganz normal sind". Darunter auch einige bekannte Gesichter, wie der 13-jährige Aspen - ebenfalls lebertransplantiert und darüber hinaus krebskrank.
Und wer weiß: Vielleicht wird Yorick seinen britischen Freund schon in einem Jahr wiedersehen, bei den Europameisterschaften für Transplantierte und Dialysepatienten auf Sardinien. Dann will der Schüler aus Wiesloch wieder Badminton spielen. Und vielleicht auch noch Radfahren. Alles ist möglich.

