Flugtag in Walldorf: "Traumflieger" zogen Jung und Alt in Bann
Von Sebastian Lerche
Walldorf. Um den Traum vom Fliegen perfekt zu machen, braucht man seinen "Traumflieger". So wie Pilot Udo Markert, der beim großen Flugtag der Segelflugabteilung des Walldorfer Aeroclubs atemberaubende Manöver zeigte.
Von Pitts-Doppeldeckern war Markert nach eigener Auskunft schon immer fasziniert, jetzt zeigte er damit die rasanten Kunstflugfiguren, die ihn schon als Kind am Modell fasziniert hatten. Darunter waren Vier- und Acht-Zeiten-Rollen, bei denen er während einer Umdrehung um die Längsachse den Flieger wie die Zeiger einer Uhr stocken ließ, Turns, das Herabkippen nach einem senkrechten Steigflug, einen "Double Hammer", also zwei Rollen nach einem Turn, und Trudel-Bewegungen im Sturzflug, als hätte er keine Kontrolle mehr. Das alles war vor strahlend blauem Himmel gut nachzuverfolgen, weil er lange Spuren aus weißem Rauch hinter sich herzog.
Die "betagte Dame", wie Markert seine 1982 gebaute Pitts S1 liebevoll nennt, mag vielleicht mit den moderneren, kompromisslos hochgezüchteten Kunstflugmaschinen nicht mehr mithalten können, aber den Zuschauern ließen die beiden immer noch mühelos den Atem stocken. Er bot "Spaß pur" statt einem bestimmten Programm, hielt sich mit seinen Manövern aber - auch aus Sicherheitsgründen - an die in Wettbewerben vorgeschriebene "Box" mit einem Kubikkilometer Größe, in ausreichender Entfernung zu Bebauung und Zuschauern.
"Kunstflug war immer mein Traum", sagte Udo Markert, hauptberuflich Maschinenbau-Techniker. Der 56-Jährige stammt aus Hayingen in der Schwäbischen Alb und ist von Kindesbeinen an Flugsportler - zunächst mit Modellen, dann mit Hängegleitern und Ultraleicht-Fliegern - "auf der Alb stimmt halt der Wind". Zum Segelflug kam er aber erst mit 40 Jahren, wenig später startete er mit Segelkunstflug und trat auf Wettbewerbe unter anderem gegen Robin Kemter aus Sinsheim an, der ebenfalls in Walldorf zu Gast war. Die Pitts S1 hat Markert gemeinsam mit einem Freund gebraucht erworben. Erst nach dem Kauf stellte sie sich als "wahrer Glücksfund" heraus, war sie doch von einem Profi, der einst in der US-Nationalmannschaft flog, aufgemotzt worden: Motor mit auf 235 PS gesteigerter Leistung, aerodynamisch optimiert, verkürzte Tragflächen, schmalerer Rumpf, größere Ruder, wendiger und schneller. Daher wird sie laut Markert bis 340 Kilometer die Stunde schnell und verträgt höhere Belastungen.
Weitere Kunstflüge begeisterten die Zuschauer an beiden Tagen: von Björn Muth aus Sinsheim im Motorsegler sowie Thomas Brückelt aus Neulingen bei Pforzheim und der erwähnte Robin Kemter im Segelflugzeug. Während Brückelt tagsüber mit rotem Rauch beeindruckende Figuren in die Luft malte, zog Kemter in der Abenddämmerung mit einem "Feuerwerksflug" das Publikum in Bann: Er hatte Pyrotechnik, Kugelblitze und Fontänen, an den Tragflächenspitzen angebracht und hinterließ feurige Spuren am Himmel.
Das war auch die passende Einstimmung zum beliebten "Ballonglühen", das noch einmal überwältigend große Besucherscharen anlockte. Nachdem die Walldorfer Stadtkapelle ein Platzkonzert mit fetzigen Klängen gegeben hatte und mit dem "Badner Lied" überleitete, ließen die Ballonteams mit den Brennern die Hüllen im Takt zu bekannten Songs aufleuchten. Kräftiger Applaus war ihr Lohn.
Das Programm an beiden Tagen bot der ganzen Familie bei herrlichem Wetter Spannung und beste Unterhaltung. Stark nachgefragt waren Rundflüge in Kleinflugzeugen und auch im Helikop᠆ter, nicht nur die Kinder tobten sich zudem auf dem kleinen Jahrmarkt mit zwei Karussells, Dosenwerfen, Süßigkeiten-Buden und heiß begehrtem Eis aus. Für alle ein Riesenspaß waren Spielzeugflieger. Weil die Sitzplätze gegen Abend nicht mehr reichten, veranstalteten einige Besucher spontan ein Picknick.
Sie erlebten dabei auch Modell-Kunstflug, mit Jets beispielsweise und mit einem Pitts-S2-Doppeldecker, der vom Original fast nicht zu unterscheiden war. Die Modelle, strotzend vor Kraft, tanzten wie entfesselt durch die Luft. Die Fallschirmspringer waren ebenfalls mit dabei, als Probleme mit ihrem Kleinflugzeug auftraten, konnten sie spontan in den Helikopter umstiegen: Man hilft sich eben unter Flugsportbegeisterten.
Ihr Debüt hatte dabei ein für die Segelflieger sehr wichtige Anschaffung, eine "Maule"-Kleinflugzeug, das als Schleppmaschine dient und für Starts und Landungen auf sehr kurzen Strecken ausgelegt ist. Wie Manuel Löhmann vom Aeroclub erläuterte, ist dies der Ersatz für eine Maschine, die kurz nach dem Flugtag 2018, als sie in Aschaffenburg abgestellt war, weil die übliche Wartung anstand, von einer Windhose erfasst und 200 Meter weit durch die Luft gewirbelt wurde. "Zum Glück kam niemand zu Schaden", so Löhmann. Ihm zufolge hat der Aeroclub das Flugzeug gebraucht in den USA erworben. Es kam in Einzelteilen im Schiff übers Meer und wurde hier erst zusammengebaut. Insgesamt beläuft sich die Investition auf rund 110.000 Euro, die der Verein aus eigener Kraft aufbringen musste.
Daher ist der Flugtag so wichtig: Er stellt eine der wenigen großen Einnahmequellen des Vereins dar, der dabei aber noch nie Eintritt verlangt hat, sondern hauptsächlich mit dem Verkauf von Speisen und Getränken verdient. Daneben dient der Flugtag der Öffentlichkeitsarbeit und natürlich hofft man, so Löhmann, mehr Menschen für den Flugsport und eine Mitgliedschaft zu begeistern.
So war es "ein erfolgreicher, schöner Flugtag", sagte Mathias Schmitz, Leiter der Segelflugabteilung und Moderator des Flugtags. Er zeigte sich sehr dankbar gegenüber den 40 bis 50 Helfern, die sich der "Herausforderung Flugtag" gestellt hatten, und meinte: "Einfach klasse, was für einen Zuspruch aus der Bevölkerung wir hatten."

